Auch bei extremer Kälte ist sportliche Betätigung möglich.
Beim Wandern, Skilaufen und anderer, möglichst den ganzen Körper umfassender Belastung kommt der Organismus schon auf seine richtige Temperatur. Abhärtung mit geringer Anfälligkeit für Infekte ist der Lohn. Auch Schweiß schadet nichts, solange man in Bewegung bleibt und nicht auskühlt. Die infolge verstärkter Atmung in die Lungen strömende Kaltluft kann bei einem gesunden, normal belastbaren Menschen keinen Schaden anrichten. Füße, Hände, Gelenke und Ohren müssen aber immer warm gehalten werden-
Kinder unter 14 Jahren darf man bei Temperaturen unter —10 °C aber nicht auf längere Wanderung mitnehmen, für Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren liegt diese Grenze bei —15 °C.
Zwischen den Winterurlauben liegen Pausen von mindestens einem Jahr.
Darum will die sportliche Betätigung körperlich etwas vorbereitet sein. Schon zu Hause können wir unsere Fitneß durch mehrmals tägliche Kniebeugen, Seilsprünge, Hochstrecksprünge, Hüftschwünge und Beingrätschen verbessern. Die ersten Tage im Schnee bringen unsere eingerosteten Fertigkeiten auf Skiern zurück. Wir üben den Fischgrätschritt am Hang, das Umsetzen, Gleiten ohne Stöcke und den Schneepflug. Für Anfänger ist es wenig vorteilhaft, sich am „Idiotenhügel“ beim Eigenunterricht blaue Flecke zu holen und unnötig falsche Fahrtechnik anzueignen. Besser ist es, einen kurzen Skilehrgang zu belegen-
Vor einer Skiwanderung sollte man auf einer kürzeren Strecke seine Kondition testen.
Teilnehmen darf schließlich nur der, der sich gesund und kräftig genug fühlt. Für Anfänger eignet sich besonders gut ein Rundkurs, auf dem sie die Wanderung bei Bedarf verkürzen können. Die maximale Streckenlänge sollte dabei insgesamt 15 bis 20 km nicht überschreiten (für Kinder von 6 bis 8 Jahren höchstens 5 km, für 9bis 10jährige etwa 10 km)Diese Richtwerte können je nach Schwierigkeitsgrad der Strecke und den Wetterverhältnissen variieren. Der Wanderung in einer Gruppe ist immer der Vorzug zu geben. Die Route wird so gelegt, dass der längste und schwierigste Teil vor der Mittagsrast geschafft ist, die man in einer Baude oder Schihütte einlegen kann-
Bei Skiwanderungen sind einige Regeln zu beachten.
Auf der Loipe hat der abfahrende Läufer immer den Vorrang vor dem aufsteigenden. Das müssen auch Fußgänger beachten, die sich, ebenso wie aufsteigende Skiläufer, ganz am Rande des Weges zu halten haben. Auf mehrspurigen Loipen wird rechts gefahren. Bei Abfahrten ist immer genügend Abstand zum Vordermann zu halten. Bei Stürzen muss man sofort die Spur frei machen — notfalls „auf allen Vieren“ —; denn der Nachfolger hat außer der „Backenbremse“ kaum eine Möglichkeit, in einer ausgefahrenen Spur das Tempo zu vermindern oder auszuweichenÜberholende Skiläufer nehmen die Stöcke eng an den Körper und warnen den zu Überholenden durch Rufe. Auf Abfahrtspisten kann links und rechts überholt werden, aber immer mit genügend Sicherheitsabstand. Rodelbahnen und reine Fußwege dürfen Skiwanderer nicht benutzen. Abfahrtshänge, Schlepplifte, öffentliche Straßen sind auf dem kürzesten Wege unter Rücksichtnahme auf andere Sportler und den Fahrzeugverkehr zu überqueren. Man sollte nie die markierte Loipe verlassen und sich eigene Wege durch Wald und Flur bahnen. Das ist auch wegen Verirrungsgefahr wichtig. Keinesfalls betreten wir sogenannte „Schneebrücken“, besonders nicht an Wasserläufen Schilder, die auf drohende Gefahren hinweisen, sind unbedingt zu beachten! Es ist selbstverständliche Pflicht, in Not geratenen oder verunglückten Personen zu helfen.
Im Wanderrucksack des Skiwanderers befinden sich zusätzlich warme Socken zum Wechseln, eine Trillerpfeife für Notsignale, Ersatzbügel für die Skibindung sowie wenigstens zwei Sorten Skiwachs nebst Korken.
Wanderungen durch die winterliche Landschaft können wir auch ohne Skier unternehmen.
Wenn sehr kleine Kinder dabei sind, ist es ohnehin besser, sie auf einem Rodelschlitten hinterherzuziehen. Die Länge und Dauer der Wanderung sollte diesen Bedingungen angepasst sein, und das Kind auf dem Schlitten wird sorgsam vor Auskühlung geschützt. Ab und zu sollte es auch ein Stückchen selbst laufen.
Bei Fußwanderungen im Winter bewähren sich filzgefütterte Schneestiefel mit grober Profilsohle besonders gut.
Die Füße bleiben selbst unter extremen Bedingungen trocken und warm. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Schaft oben einen Bund oder Gummizug hat. Besser als ein schwerer Anorak oder eine Parka sind ein ganz leichtes Skihemd und darunter ein oder mehrere Pullover. Auf eine Wollmütze, die über die Ohren heruntergeschlagen werden kann, auf lange Unterhosen und dicke, lange Socken sollten wir nicht verzichten. Diese Kleidungstips gelten auch für Skiwanderer.
Beim Winterspaß am Rodelhang muss es nicht unbedingt der kleine käufliche Plastikrodel sein, der sich zwar leicht transportieren lässt, der aber rauhem Betrieb meist nicht lange widersteht.
Der ausgediente Schlauch einer Lkw- oder Treckerbereifung — wie ihn die Kinder beim Badeh benutzen — kann im Schnee als schneller „Rutscher“ viel Spaß bereiten (lenkbar ist er allerdings kaum, darum auf freie Bahn achten!).
Hat man sich auf einer Wanderung einmal rettungslos verirrt, so darf man auch in einsamer Gegend nicht in Panik geraten.
Mit Karte und Kompaß finden wir sicher bald einen Ausweg; entlang einer Telefonleitung erreicht man bestimmt eine Ansiedlung. Notfalls läuft man so lange geradeaus, bis man auf Menschen oder einen Ort trifft. Hat man sich dabei allzusehr vom Ausgangsort des Ausflugs entfernt, so kann man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder als „Anhalter“ zurückkehren.
Kritischer ist die Lage, wenn man sich in den Bergen ausweglos verirrt oder in eine Notlage gerät, aus der man sich nicht mit eigenen Kräften befreien kann. Dann kann das internationale alpine Notsignal gegeben werden. Es besteht aus Serien von 6 akustischen oder optischen Signalen je Minute, denen eine Pause von einer Minute folgt. Solche Signale können Rufe, Pfiffe, Lichtoder Feuerzeichen, Schwenken der Arme oder von Kleidungsstücken u. ä. sein. Jeder, der ein alpines Notsignal bemerkt, muss Antwort geben, Hilfe leisten bzw. Hilfsmaßnahmen einleiten. Das Antwortsignal zur Verständigung des Hilfsbedürftigen ist ebenso aufgebaut wie das Notsignal, jedoch werden nur 3 Zeichen je Minute gegeben. _________________