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Reinhold


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Camping Tipps: Fahren mit dem Wohnwagenanhänger Teil 2
Verfasst am: 06.03.2009, 14:32

Beim Bremsen im Gespannbetrieb muss man grundlegend umlernen. Das Bremsverhalten unterscheidet sich je nachdem, ob der Anhänger selbst eine Bremse hat oder nicht. Beim gebremsten Anhänger werden die Bremswege zwar kaum länger als bei einem Solo-Pkw, jedoch stützt sich beim Bremsvorgang immer das Zugrohr auf der Kugel der Zugvorrichtung ab, das Fahrzeugheck wird nach unten gedrückt, und die Vorderachse wird entlastet. Dadurch können die Vorderräder leicht blockieren — besonders bei nasser oder glatter Fahrbahn —, und das Auto wird unlenkbar. Dieser Effekt tritt um so stärker in Erscheinung, je höher der Schwerpunkt des Anhängers liegt und je schwerer er ist. Auch aus diesem Grunde soll im Anhänger schweres Gepäck immer möglichst weit unten geladen werden.

Beim ungebremsten Anhänger tritt eine Entlastung der Vorderräder des Pkw beim Bremsvorgang in weit geringerem Maße und auch nur dann auf, wenn der Anhängerschwerpunkt oberhalb der Zugrohrachse liegt. Weil aber nur die Räder des Zugfahrzeugs gebremst werden, muss man mit wesentlich verlängerten Bremswegen rechnen, die um so größer werden, je schwerer der Anhänger ist. Es tritt erhöhter Bremsverschleiß auf, und man muss die Bremsbeläge öfter kontrollieren (lassen). Die Bremsflüssigkeit sollte bei Anhängerbetrieb unbedingt alle 2 Jahre gewechselt werden. Sie nimmt im Laufe der Zeit Wasser auf, bei Erwärmung der Bremsen bilden sich Dampfblasen in der Hydraulik, und die Bremse wird „weich“ oder spricht nur nach mehrmaligem Pedaltreten („Pumpen“) an.

Was gehört noch zum sicheren und bremsenschonenden Gespannfahren?

Am Gefälle nutzen wir die bremsende Wirkung des Viertaktmotors bei Leerlaufgas und eingeschaltetem Gang aus. Dazu wird heruntergeschaltet; denn die Bremswirkung ist bei hoher Drehzahl am größten (Vorsicht aber, dass der Motor nicht übertourt wird!). Der bei Leerlaufgas hochtourig drehende Motor wird schlecht geschmiert, und ein Kolbenklemmer könnte die böse Folge sein. Besonders in Kurven muss die Betriebsbremse sehr gefühlvoll eingesetzt werden. Bilden Auto und Anhänger
nämlich keine gerade Linie, so kann der Anhänger beim Bremsen durch seine Trägheitskraft am Zugfahrzeug vorbeischieben, das Gespann zum Schleudern bringen oder querstellen. Vor allem dem Neuling sind behutsames Tempo und gefühlvolles Bremsen zu raten.

Bei langem Bergauffahren oder starkem Gegenwind mit einem Wohnwagengespann sollte man die Temperaturanzeige ständig im Blick behalten.

Das gilt besonders bei einem ungünstigen Masse-Leistung-Verhältnis des Gespanns. Nähert sich der Zeiger des Temperaturwächters dem rot markierten Bereich, so hilft Herunterschalten und etwas hochtourigeres und langsameres Fahren. Schlimmstenfalls sollte man sich auch nicht vor einem kurzen Halt scheuen. Dabei muss aber der Motor zur Vermeidung eines Wärmestaus noch etwas weiterlaufen. Auch wenn es an heißen Tagen eine Zumutung ist: Kurzes, aber allmähliches Zuschalten der Wagenheizung entlastet einen überhitzten Kühlwasserkreislauf!

Bei Kurvenfahrt reagiert ein Gespann anders als ein Solofahrzeug. Infolge des Beharrungsvermögens zur Geradeausfahrt zieht der Anhänger das Heck des Zugfahrzeugs in der Kurve nach außen. Die durchfahrene Kurve wird enger, als es dem Lenkeinschlag entspricht. Ein Gespann zeigt also im allgemeinen Übersteuerungsverhalten. Dieses verstärkt sich noch bei einem Auto mit Heckmotor und ist dann nur durch stärkere Beladung des Kofferraums im Fahrzeugbug in begrenztem Maße auszugleichen.

Kommt man mit dem Gespann in einer Kurve in Schwierigkeiten, so verschlimmern Bremsungen meist die Situation. Durch vorsichtiges Gasgeben und Gegenlenken muss man versuchen, der Lage Herr zu werden. Viel besser ist es allerdings, man lässt es gar nicht erst so weit kommen und geht Kurven mit gemäßigtem Tempo an.

Bei Gespannbetrieb verlängern sich die Überholwege bedeutend.

Dabei wirken mehrere Faktoren gemeinsam: die größere Gesamtlänge des überholenden Gespanns, die geringeren Beschleunigungswerte und die teilweise unzureichende Höchstgeschwindigkeit. Besondere Vorsicht muss man vor Kurven, Kreuzungen und Einmündungen, beim Überholen sehr langer oder schneller fahrender Fahrzeuge und beim Gegenverkehr walten lassen, selbst wenn er erst ganz in der Ferne auftaucht. Die Geschwindigkeit eines entgegenkommenden Fahrzeugs kann man nur selten richtig einschätzen. Eine endlos erscheinende, kriechende Fahrzeugkolonne überholen wir mit einem Gespann nie! Statt dessen ein sicherer Trick: Rasten! Inzwischen ist sie davongefahren.

Bei Fahrt mit einem Wohnwagen ist auf böigen Seitenwind zu achten. Die große Seitenfläche des Anhängers gibt dem Wind guten Angriff, der Anhänger kann schleudern, das Gespann kommt aus der Spur, es kann sogar umstürzen. An stürmischen Tagen sollte man an Waldschneisen, an einzelnen Bauwerken und großen Bäumen sowie auf Brücken sehr langsam fahren und in sofortiger Reaktionsbereitschaft sein. Eine sehr böse Situation entsteht, wenn ein Anhänger ins Pendeln gerät („Schwänzeltanz“).

Er folgt dem Zugwagen in Schlangenlinien, wobei sich diese Bewegung bei falscher Reaktion des Fahrers soweit aufschaukeln kann, bis er die Kontrolle über sein Gespann vollständig verliert. Keinesfalls darf gebremst werden. Richtig ist vorsichtiges Gasgeben, so dass der Anhänger wieder in spurtreue Geradeausfahrt gezwungen wird. Gegenlenken erfordert viel Erfahrung und kann die Lage verschlimmern.

Bestimmte Gespannpaarungen sind für das Pendeln besonders anfällig, jedoch tritt es meist nur bei einer bestimmten Geschwindigkeit oder bei antriebsloser Bergabfahrt auf. Hat man das einmal erkannt, so gilt es, diesen gefährlichen Geschwindigkeitsbereich möglichst zu meiden. Anhängerpendeln kann ein Stabilisator wirksam unterbinden. Auch das sonstige Fahrverhalten wird durch ihn verbessert. Einziger Nachteil: Das Ankuppeln des Anhängers wird langwieriger. Der Stabilisator dämpft die horizontalen Drehbewegungen der Anhängerkupplung in der Kugel mechanisch (durch Reibung) oder hydraulisch (durch Stoßdämpfer).

Das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger will geübt sein.

Stößt man mit einem Gespann zurück, so folgt der Anhänger zwar den physikalischen Gesetzen, nicht aber den bei Solobetrieb antrainierten Lenkeinschlägen. Hat man z. B. die Absicht, nach links zurückzustoßen, und schlägt aus der Geradeausfahrt auch das Lenkrad in gewohnter Weise nach links ein, so bewegt sich zwar das Autoheck nach links, jedoch knickt das Gespann an. der Anhängerkupplung ein, und der Anhänger fährt nach rechts! Richtig ist, zunächst bei behutsamer Rückwärtsfahrt das Lenkrad etwas entgegengesetzt der beabsichtigten Fahrtrichtung einzuschlagen und erst dann, wenn der Anhänger sich in die vorgesehene Richtung gedreht hat, das Lenkrad in diese Richtung zurückzudrehen. Das alles muss sehr gefühlvoll unter laufenden Lenkkorrekturen geschehen. Am Ende der Rückwärtskurve sind die Vorderräder noch rker einzuschlagen; dadurch richtet sich das Gespann wieder gerade aus. Wird die durchfahrene Kurve aber einmal enger und enger — der kleinste Winkel zwischen Anhängerund Fahrzeugachse darf etwa 135° werden —, dann sind weitere Korrekturen während des Rücksetzens nicht mehr möglich. Der Anhänger würde sich querstellen, und es könnte sogar zu Beschädigungen am Fahrzeugheck und an der Anhängervorderwand kommen. In einem solchen Fall von mißglücktem Rückfahrmanöver muss zunächst wieder ein Stück geradeaus vorwärts gefahren werden.

Wollen Anfänger des Gespannfahrens ihre ersten Rückstoßversuche nicht unter den Augen hämisch grinsender Zuschauer vollführen oder — was bedeutend schlimmer ist — wollen sie nicht plötzlich auf einer Hauptverkehrsstraße querstehend den-Verkehr blockierern dann sind ihnen ein paar Übungen auf einer stillen Fläche ohne Hindernisse anzuraten.
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Tags: wohnwagen, anhänger, fahren, richtig, rückwärtsfahren

 
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