Camping Tipps: Fahren mit dem Wohnwagenanhänger Teil 3 Verfasst am: 12.03.2009, 06:14
Am schwierigsten ist eine längere Rückwärtsfahrt geradeaus, z. B. wenn man mit dem Gespann in eine Sackgasse geraten ist.
Selbst bei gestandenen Gespannfahrem artet sie oft zu einer raumgreifenden Schlängeltour ausBeim geraden Zurückstoßen ist immer dann eine leichte Lenkkorrektur notwendig, wenn der Anhänger seitlich auszuweichen beginnt. Das Lenkrad muss dann in die Richtung gedreht werden, in die das Heck des Anhängers drängt. Wenn es die Situation zulässt, sollte man an Stelle der Mühen einer längeren Rückwärtsfahrt lieber das Zugfahrzeug abkuppeln, wenden, den Anhänger mit Muskelkraft umdrehen und nach dem Wiederankuppeln die Fahrt vorwärts fortsetzen.
Große Schwierigkeiten können sich beim Rückwärtsfahren mit einem Wohnwagen einstellen.
Der Fahrer ist bei seinem Manöver nur auf die rückwärtige Sicht über die Autospiegel angewiesen, er muss außerdem die obere Kante des Anhängeraufbaus im Auge behalten. Eine Hinterkante ist dabei immer verdeckt. Wird es beim Rückwärtsfahren eng, so wird der Fahrer nicht ohne einen sachkundigen Einweiser mit lauter Stimme auskommen können, der sich hinter dem Gespann aufstellt. Beim Rangieren im engen Campingwald ist auf Bodensenken und Wurzelstöcke zu achten. Ein Rad des Anhängers kann hindurch- oder darüberrollen, der Aufbau neigt sich und kann gegen einen Baum schlagen. Außerdem muss der Fahrer auch den Bug seines Autos im Auge behalten. Hektik und Nervosität sind bei solchen Fahrmanövern fehl am Platze. Besser ist, man steigt aus und erkundet den sichersten Zufahrtsweg. Kein Fahrer muss seinen sportlichen Ehrgeiz darin suchen, den Wohnwagen mit Motorkraft an Ort und Stelle zu bugsieren. Bei sehr engen Zufahrtswegen, dichtem Baumbestand und lockerem oder unebenem Untergrund ist „Handschiebebetrieb“ der einzig richtige Ausweg. Tatkräftige Helfer wird man wohl in jedem Falle finden.
Vor jedem Rückwärtsfahren mit einem gebremsten Anhänger ohne Rückfahrautomatik ist die Rückfahrsperre zu lösen.
Vergißt man das, so knickt-bei gewaltsamem Zurückstoßen das Gespann en der Anhängerkupplung nach oben aus, das Anhängerheck senkt sich und kann — ebenso wie die Kurbelstützen — beschädigt werden. Im Extremfall kann sogar die Anhängerkupplung Schaden nehmen, oder die Zugvorrichtung wird aus ihrer Verankerung im Pkw herausgerissen-
Bei Gespannfahrt in die Berge sollte man Vorlegekeile nicht vergessen.
Sie sichern das abgestellte Fahrzeug am Berg, wenn die Handbremse allein nicht mehr ausreicht. Im Winter kann eine angezogene Handbremse außerdem festfrieren. Steht das Gespann an einer Steigung, dann ist es oft leichter,
zunächst die Vorderräder stark einzuschlagen und quer zum Berg anzufahren'). Um nicht sofort wieder anhalten zu müssen, kann der vorgelegte Keil mit einer kurzen Schnur an der Heckstoßstange befestigt werden. Er wird dann mitgezogen, bis Man wieder in der Ebene ist. Kommt man bergauf mit dem Anhänger nicht fort, so wird zunächst abgekuppelt und der Anhänger vorsichtig von Hand gedreht (gegen Abrollen sichern!). Nach Wenden des Pkw und Wiederankuppeln wird bergab losgefahren. Wenn irgend möglich, sollte mit einem Gespann nicht an einer Steigung gewendet werden-
Wer im Winter bei Eis und Schnee mit einem Anhänger unterwegs ist, der muss besonders vorsichtig fahren und sich laufend den Straßen- und Witterungsverhältnissen anpassen.
Die Hinweise zum Gespannfahren behalten volle Gültigkeit, nur muss alles in noch weiter gemäßigtem Tempo ablaufen. Daher verlängert sich die Fahrzeit gegenüber Sommerbetrieb um mindestens 30 bis 40 Prozent. Das Wintergepäck ergänzen wir durch Schneeketten, ein Säckchen Sand, Schaufel, zwei Vorlegekeile, Seil, Handfeger oder kleinen Besen. Zwei Kokosmatten, sonst als Fußmatten im Fahrgastraum untergebracht, können bei einem steckengebliebenen Gespann unter die Antriebsräder geschoben werden und so das Freikommen erleichtern.
Bei durchrutschenden Rädern ist eine vorübergehende Gepäckumlagerung zur stärkeren Belastung der Antriebsachse oft die einzige Möglichkeit, um wieder freizukommen.
1) bei Autos mit Frontantrieb nicht zu empfehlenDie Gelenkwellen werden dabei zu stark belastet und könnten brechen-
Das Auf-die-Stoßstange-Stellen einer Person sollte man ebenso bleibenlassen wie das Rückwärtsherauffahren mit frontgetriebenen Autos bei langen, kurvenreichen Steigungen. Bei Hinterradantrieb kann, wenn nur ein Rad durchdreht, mäßiges Anziehen der Handbremse manchmal Erfolg bringen. Auch gefühlvolles „Schaukeln“ durch abwechselndes Gasgeben mit Ein- und Auskuppeln im Rhythmus der Schaukelbewegung kann das Gespann aus einer Querrinne befreien.
Wer mit einem Wohnwagen zum Wintercamping fährt, muss auf den wetterbedingten Extremfall vorbereitet sein. Das Fahren erfordert noch mehr Feingefühl als im Sommer. Besondere Vorsicht ist beim Bremsen und bei Lenkkorrekturen geboten — vor allem bergab und in KurvenDie zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h kann man auf glatten und verschneiten Strecken vergessen. Anhänger, die auch im Sommer ein stabiles Fahrverhalten zeigen, bereiten beim Winterbetrieb weit weniger Probleme als solche, die schon bei trockener Fahrbahn schnell ausbrechen oder zum „Schwänzeltanz“ neigen.
Ohne Radial-Winterreifen (M+ S) geht bei winterlichem Gespannbetrieb oft nichts mehr.
Das ist vor allem dann der Fall, wenn wir von der noch gut befahrbaren Hauptstraße in die verschneiten Berge und auf den Campingplatz gelangen. Noch besser als Winterreifen (zumindest auf den angetriebenen Rädern) sind im verschneiten Gelände Sommerreifen mit Schnee-
ketten geeignet (Vollketten, keine „Riemchen“). Will man sich das mühevolle Aufziehen der Schneeketten ersparen, dann sei besonders den Fahrern von Autos mit Frontantrieb folgendes empfohlen: Normalfahrt mit M+ S-Reifen, soweit man eben damit kommt. Dann montiert man auf die Antriebsachse zwei zusätzlich mitgeführte Räder mit Sommerbereifung und bereits aufgezogenen Schneeketten. Nur eines dieser beiden Räder muss man zusätzlich verstauen, das andere wird an Stelle des Reserverades untergebracht. Auf Anhängern sind Winterreifen nicht unbedingt erforderlich, sie verbessern jedoch die SpurtreueDas gilt besonders für gebremste Anhänger, bei denen sich dadurch auch die Bremswirkung besser auf die Straße bringen lässt-
Wenn man mit einem Wohnwagengespann auf einem Wintercampingplatz eine kurze, verschneite Steigung nicht schafft, so kann eine Technik zum Ziel führen, wie sie auch Fahrer von schweren Lkw mit Anhänger manchmal anwenden.
Sie lassen an der Steigung die Räder mit mäßiger Geschwindigkeit einfach so lange durchdrehen, bis Eis und Schnee weggefräst oder von der Reibungswärme aufgetaut sind und die Räder auf festem Grund wieder greifen. Das geht natürlich nur sehr langsam vorwärts und ist für Pkw lediglich bei kurzen Strecken zu empfehlen. Das Verfahren ist bei kräftiger Belastung der Antriebsachse besonders effektiv, hat aber keinen Sinn, wenn sich die Räder einwühlen können. Es muss unter dem Schnee also fester Untergrund vorhanden sein- _________________