Hilfe bei der Kaufentscheidung eines Camping Zelts Verfasst am: 31.12.2008, 12:52
Das Angebot an Zelten aller Größen ist so vielfältig und wechselt so oft, dass eine Beschreibung einzelner Typen nicht lohnt.
Wir besprechen die Zelte daher nur nach Größengruppen bzw. ihrem Verwendungszweck und müssen die Information über Details dem Käufer selbst überlassen. Dazu stehen reichhaltige Prospekte des aktuellen Angebots in den Fachverkaufsstellen bereit.
Beim Kauf eines Zelts muss man etwas perspektivisch denken.
Das trifft weniger für ein Hauszelt zu, in dem ein Jugendlicher mit Freund oder Freundin das Campieren in seiner ursprünglichen Form erleben will, sondern mehr für ein Steilwandzelt mit umfangreicher Ausrüstung, das sich ein unlängst getrautes Paar zulegt. Nachwuchs wird sich einstellen, und dann ist bei einem zu klein gekauften Zelt der Platz zu eng. Eine zunächst etwas üppig ausgefallene Leinwandvilla bläht zwar das Gepäck auf, beim Wohnen hat man aber durchaus willkommene Ellbogenfreiheit.
Schlafen — und darauf allein orientiert die vom Hersteller angegebene Personenzahl für ein Zelt — ist nur die eine Seite des Campinglebens. Ebenso lange — bei andauerndem Regen erheblich länger — muss man im Zelt den weitaus bewegungsaktiveren Lebenszustand verbringen. Den dafür notwendigen Lebensraum muss jeder Käufer selbst abschätzen und mit dem Platzangebot im auserwählten Zelttyp vergleichen.
Die Vorteile von Touristenzelten (Haus-, Wanderoder Bergzelte) sind geringes Gewicht, kleine Packmaße, gute Sicherheit gegen Sturm und der niedrige Preis. Touristenzelte bestehen fast immer aus nur einem Raum. Seitenwände, der etwas hochgezogene Boden und das Spitzdach mit Traufe sind fest miteinander vernäht. Wegen ihrer recht einfachen Gestängekonstruktion — heute fast immer mit stabfreiem Eingang —, die im Extremfall nur aus einer oder zwei senkrechten Stützen besteht, sind sie sehr schnell aufzustellen. Für das Dach und die Seitenwände wird vorrangig Baumwollgewebe, bei sehr, leichten Bergoder Wanderzelten auch Synthetik verwendet. Der Zeltboden besteht aus stabiler, wasserdichter Folie oder beschichtetem Gewebe. Beim klassischen Hauszelt ist hinten ein Gepäckgiebel (die sogenannte Apsis) angesetzt.
Die meisten Ausführungen geben zwei bis drei Personen Raum, jedoch ist die Bewegungsfreiheit gering und der Komfort spärlich. Nur im Mittelbereich größerer Hauszelte kann man stehen.
Besonders vorteilhaft ist bei einem Hauszelt ein überdach.
Es gibt Doppeldachzelte, bei denen das Innenzelt in das Überzelt eingehängt wird. Aber man kann sich ein Überdach auch selbst aus Folie oder hellem Zeltleinen anfertigen, das im Abstand von 10 bi 20 cm über dem eigentlichen Zeltdach auf einer zweiten Firststange aufgespannt wird. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Nässeschutz, und das dazwischenliegende Luftpolster isoliert wirksam gegen Hitze und Kälte. Das Überzelt kann soweit vorgezogen werden, dass vor dem Zelteingang ein wettergeschütztes Plätzchen entsteht. Dieses ist vor allem zum geschützten Kochen geeignet, wird aber auch gern als Bodentisch benutzt, wenn man, bäuchlings auf der Matratze liegend, den Kopf draußen, liest, schreibt oder gemütlich klönt. Zwei befreundete Mannschaften stellen dazu gern ihre Zelte mit den Eingängen gegenüber auf. In jedem Fall ist bei einem Überzelt auf sturmsichere Abspannung zu achten.
Bergund Wanderzelte haben mitunter recht kurios anmutende Formen und Konstruktionsdetails.
Da gibt es sechsund achteckige Grundrisse, außenliegendes Gestänge, spitzenund tunnelförmige Dächer und schließmuskelartige Schlupföffnungen als Eingang. Alle diese Formen sind kein Qualitätsmerkmal, sondern von Zweckmäßigkeit diktiert. Sie dienen hauptsächlich der Gewichtsreduzierung, dem schnellen Aufstellen und der Sicherheit gegen SturmDie zum Schlafen nicht nutzbaren Ecken lassen sich immer als Gepäckstauraum nutzen.
Steilwandzelte sind gegenüber Hauszelten erheblich komfortabler. Sie lassen sich sehr wohnlich einrichten, haben größere Fenster mit Gardinen und, bei abgeteilten Räumen, auch ein größeres Platzangebot. Man kann im ganzen Zelt aufrecht stehen. Steilwandzelte haben aber auch Nachteile. Dazu zählen größere Masse und Packvolumen, die Anfälligkeit gegen Sturm, die erforderliche große und ebene Stellfläche, die längere Aufbauzeit und der bedeutend höhere Preis. Steilwandzelte gibt es ab 5 m2 Grundfläche für zwei Personen bis über 25 m2 für eine sechsköpfige Gemeinschaft. Zum eigentlichen Schlafbereich kommen der Wohnbereich und der Küchentrakt hinzu, die doppelt bis 3,5mal so groß wie der Schlafbereich sein sollten. Ein Vordach — die sogenannte Veranda — kann besonders bei schönem Wetter den Wohnbereich beträchtlich erweitern, außerdem ist man der Natur näher.
Je mehr Zeit mah während des Jahres im Zelt verbringt, um o größer sollte die Zeltgrundfläche gewählt werden (Richtzahl für Dauercamping: je Person etwa 3,5 bis 4 m2, ohne Veranda). Ein günstiger Kompromiß zwischen geschlossenem Zelt und Zelt mit Veranda ist eines mit herausnehmbarer, aufstelloder aufrollbarer Vorderwand.
Steilwandzelte sind bereits zweckmäßig in Schlaf-, Wohnund Küchenbereich aufgeteilt.
Zum Schlafbereich zählen die am Gestänge aufgehängten Innenkabinen mit wasserdichtem Boden, die für gute Wärmeisolierung sorgenEltern und Kinder sollten möglichst getrennte Kabinen bewohnen, auch wenn durch sie kaum ein Geräuschoder Lichtschutz, sondern nur ein Sichtschutz gegeben ist. Kinder wissen es zu schätzen, wenn sie ihre eigene „Kabuse“ bewohnen dürfen, in der sie sich unbeobachtet, trotzdem aber in elterlicher Nähe geborgen fühlen können
Der Raum mit den großen Folienfenstern bleibt für die Sitzgruppe reserviert.
Bei sehr großen Steilwandzelten ist oft ein Abstelloder Garderobenbereich abgeteilt. Fehlt er, kann man selbst einen Vorhang ziehen.
Bei Steilwandzelten richten sich die Konstruktion und der Materialeinsatz nach dem Verwendungszweck.
Man unterscheidet nach vorrangiger Eignung für Kurzzeitcamping (einige Tage bis zu fünf Wochen im Jahr) und für Langzeitcamping (bis zu 26 Wochen im Jahr). Die richtige Auswahl ist entscheidend für die Lebensdauer des Zelts-
Steilwandzelte für Langzeitcamping bieten insgesamt mehr Grundfläche je Person.
Sie haben meist ein Plastikbeschichtetes, völlig wasserdichtes Dach und stabileres Gewebematerial. Weil man davon ausgehen muss, dass das Zelt auch einige Zeit unbeaufsichtigt Sturm und Regen ausgesetzt ist, gibt es Klappen an den Gazefenstern und solidere Abspannungen (kleinere Lüftungsöffnungen sollten aber auch bei längerer Abwesenheit geöffnet bleiben)Mit alldem ist natürlich nicht gemeint, dass sich nicht auch die leichter gebauten Steilwandzelte für Dauercamping verwenden ließen. Dann aber empfiehlt sich unbedingt ein stabiles Folienzelt mit eigenem Gestänge.
Steilwandzelte für Kurzzeitcamping bestehen meist aus etwas dünnerem Baumwollgewebe, seltener aus Synthetik.
Das Dachist aus dem gleichen, nur etwas dickerem Material. Insgesamt sind solche Zelte bei vergleichbarer Grundfläche bis zu 50 Prozent leichter und, verpackt, auch kleiner als die für Langzeitcamping.
Synthetisches oder beschichtetes Zeltgewebe weist durchaus nicht nur Vorteile auf.
Reiner Synthetikstoff ist zwar leichter als Baumwolle und unempfindlich gegen Verottung oder Schimmelbildung (Stockflecken), dafür ist Baumwolle aber luftdurchlässig und gibt Feuchtigkeit sehr schnell wieder. Das Zelt ist weitaus besser klimatisiert. Zelte mit vollbeschichtetem Dach neigen bei höherer Luftfeuchte, beim Kochen oder Heizen mit Propan
zu Schwitzwasserbildung. Daher ist eine gute Belüftung unerläßlich. Günstig ist immer eine vom Hersteller gewählte Kombination unterschiedlicher Gewebearten, zusammen mit einer guten Luftführung im Zelt.
Zelte haben, bezogen auf die überbaute Grundfläche, das geringste Gewicht und zusammengelegt auch das weitaus geringste Volumen aller Campingunterkünfte.
Trotzdem darf man Masse und Packmaße, besonders bei großen Steilwandzelten, nicht unterschätzen. Daher sind bei der gewünschten Größe und Ausführung auch die Transportmöglichkeiten zu berücksichtigen. Richtwerte dabei sind:
leichte Bergund Wanderzelte 1,5 bis 2,5 kg/Schlafplatz
Hauszelte, einfach 2,5 bis 4,0 kg/Schlafplatz
Doppeldachzelte 3,0 bis 6,0 kg/Schlafplatz
Steilwandzelte ohne Veranda 5,5 bis 8,5 kg/Schlafplatz
Steilwandzelte mit Veranda 6,5 bis 11,0 kg/Schlafplatz
Bei Zelten aller Art rechnet man je Person mit einer Schlaffläche von mindestens 0,65 x 2 m.
Für zwei Personen auf einer Doppelmatratze genügen auch 1,20 m, für drei Personen werden etwa 1,80 bis 2,10 m Breite gebraucht. Möchte man jedoch Campingliegen aufstellen, so sollte man schon beim Zeltkauf darauf achten, dass die Schlafflächen bzw. Innenkabinen mindestens 2,10 m tief sind. _________________